Reaktionen und Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen
Die Mehrzahl aller Kinder verträgt die im schweizerischen Impfplan empfohlenen Impfungen ohne für das Kind oder die Eltern fassbaren Nebenwirkungen. Bei den vorübergehenden Nebenwirkungen treten am häufigsten die typischen Anzeichen eines Infekts auf mit erhöhter Temperatur oder Fieber, Unwohlsein, Unruhe, Weinen, Schlafveränderung (mehr oder weniger Schlaf) und Appetitlosigkeit. Bei den Impfungen mit Totimpfstoffen treten solche Allgemeinreaktionen eher in den ersten Tagen nach der Impfung auf. Bei der Masern-Mumps-Röteln-Impfung werden solche Allgemeinreaktionen, gelegentlich auch mit Ausschlag 10 – 20 Tage nach der Impfung beobachtet (Impfmasern) oder zur Schwellung der Speichel-drüsen (Impfmumps). Alle diese Erscheinungen klingen innerhalb weniger Tage wieder ab.An der Einstichstelle kann es zu einer lokalen Rötung oder Schwellung kommen. Ausgeprägte Schwellungen bei Impfungen mit Tetanus können auf eine Hyperimmunisierung deuten. Das Ausmass der Erscheinungen an der Einstichstelle hängt auch von der Impftechnik ab (z. B. Nadellänge).
Allgemein lässt sich sagen: Viele Kinder vertragen die Impfungen ohne irgendwelche allgemeinen Begleiterkrankungen. Nicht jedes gesundheitliche Problem, das im Zusammenhang mit einer Impfung auftritt, ist auch durch die Impfung verursacht.
Seltene Komplikationen
Auf jede Impfung reagiert das Immunsystem. Sonst hätten Impfungen keine Wirkung. Bei der enormen genetischen Vielfalt und der unterschiedlichen individuellen Disposition lässt sich nicht ausschliessen, dass einige wenige Geimpfte heftiger oder mit anderen Zeichen reagieren, als die Mehrheit. In der Vergangenheit war dies etwa so für den Ganzzell-Keuchhusten-Impfstoff. Eine sehr kleine, aber in einem grossen Land wie den USA doch bemerkbare Zahl Personen entwickelte schwere neurologische Komplikationen. Ebenso bei der Kinderlähmung: Fast alle Menschen vertrugen die früher übliche Schluckimpfung problemlos. Ganz wenige Menschen allerdings, mit besonderer Immunschwäche, entwickelten eine Impfpolio. Aus diesem Grund sind Impfstoffe stetig weiter entwickelt worden. Die Hersteller haben zudem die zur Konservierung oder zur Wirksamkeit nötigen Zusatzstoffe («Adsorbate») stetig reduziert. Viel moderne Impfstoffe enthalten beispielsweise keine Quecksilberverbindungen mehr. Die heutigen Impfstoffe für die empfohlenen Impfungen mit dem inaktivierten Poliovirus, Diphtherie, Haemophilus influenzae, Hepatitis B, Pertussis azellulär sind daher sehr sicher und schwere Komplikationen sind äusserst selten. Die möglichen Komplikationen sind bei den einzelnen Impfungen und im speziellen Teil der Arztinformation dokumentiert.Bei der Impfung mit Masern, Mumps, Röteln wird ein abgeschwächtes, lebendes Virus injiziert, das sich im Körper vermehren kann und soll. Auf diese Weise wird eine starke Impfreaktion provoziert, die bereits nach der ersten Impfung bei vielen Menschen einen vollständigen Schutz erzielen kann. Andererseits kann es bei entsprechender Disposition auch zu einer abgeschwächten Form der Erkrankung kommen, d. h. das Kind kann an Impfmasern, Impfmumps oder Impfröteln erkranken. Bei der gegenwärtigen Häufigkeit von Masern in der Bevölkerung ist das Risiko eine Komplikation durch schweren Verlauf der Impfmasern geringer, als das Risiko eines schweren Verlaufs bei Ansteckung mit dem Wildvirus.
Kinderärzte raten indes wegen der vergleichsweise höheren Häufigkeit von Nebenwirkungen bei der FSME (Frühsommer-Meningo-Encephalitis nach Zeckenstich) von dieser Impfung bei Kindern ab, zumal die FSME-Infektion in dieser Altersgruppe in unseren Regionen bisher immer ohne bleibende Schäden ausheilte.
Bei allen Impfstoffen kann es (theoretisch) zu einer schweren allergischen Reaktion, dem anaphylaktischen Schock kommen. Als Reaktion auf eine Impfung bei einem Kind ist das Risiko etwa so hoch, wie von einem Blitz erschlagen zu werden.
