Gesichtspunkte der Impfkritiker
Impfkritiker führen verschiedene allgemeine Gründe an, warum Eltern ihre Kinder zurückhaltend oder gar nicht impfen sollen. Nachstehend sind die häufigsten Argumente angeführt und kommentiert.
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Ein erstes Argument ist, der Zusammenhang zwischen Impfung und Rückgang der Krankheitsfälle und der Sterblichkeit sei gar nicht bewiesen. In der Tat haben sich unsere Lebensverhältnisse in diesem Jahrhundert entscheidend gebessert. Allein diese Verbesserung hat zu einem Rückgang der Erkrankungshäufigkeit geführt, weil die individuelle Disposition besser ist (es gibt weniger Kinder, die aufgrund ihrer Lebensumstände, z. B. Unterernährung, oder chronischer Erkrankungen wie Tuberkulose infektanfällig sind) und weil die Ausbreitungswahrscheinlichkeit dank Hygienemassnahmen (Isolation kranker Kinder) geringer wurde. Betrachtet man die Daten allerdings etwas genauer, dann zeigt sich jeweils ein abrupter Abfall der Krankheitshäufigkeit unmittelbar nach Einführung der Impfung. Das gilt für Polio Anfang der sechziger Jahre bis hin zur HiB-Impfung (Einführung in der Schweiz 1990). Eine vernünftige Beurteilung der Daten lässt daher nur den Schluss zu, Impfungen reduzieren tatsächlich die Häufigkeit der Erkrankungen und damit Todesfälle und schwere Komplikationen. Wer dies ernsthaft in Frage stellt begibt sich auf das gleiche Niveau wie diejenigen, die einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs bestreiten.
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Impfkritiker führen an, die Häufigkeit der schweren Nebenwirkungen werden verschwiegen. Zunächst einmal spricht dagegen, dass in vielen westlichen Ländern eine strenge Meldepflicht besteht. Zweifel sind allerdings berechtigt, wie gut Ärzte dieser Meldepflicht nachkommen. Es kann also tatsächlich sein, dass die Rate an schweren Impfkomplikationen höher ist, als in der Literatur angegeben. Doch selbst wenn man eine um den Faktor 10 höhere Rate an schweren Impfkomplikationen annimmt, als in der Literatur angegeben, bleiben die schweren Impfreaktionen noch immer ein äusserst seltenes Ereignis. Für die Masern in der Schweiz lässt sich beispielsweise aus den langjährigen Beobachtungen mit Sicherheit aussagen: Die Häufigkeit einer impfassoziierten Lungenentzündung oder Gehirnentzündung ist seltener, als die durch die wenigen verbleibenden Masernfälle beobachtete.
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Manche Kritiker behaupten, Krankheiten seien ausgestorben, Impfungen daher überflüssig. Dieses Argument ist nur teilweise richtig, denn diese Krankheiten sind dank konsequenter Impfung nicht mehr vorhanden. So wird beispielsweise heute nicht mehr gegen Pocken geimpft. Vermutlich wird in naher Zukunft die Impfung gegen Kinderlähmung (Polio) überflüssig werden. Ob das derzeitige Rest-Risiko so klein ist, wie die Chance, im Lotto zu gewinnen, oder erheblich höher, hängt im Einzelfall von vielen Unwägbarkeiten ab (etwa den Reisegewohnheiten der Personen, die mit dem Ungeimpften in Kontakt kommen können).
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Impfkritiker betonen, dass keine Impfung bei allen Geimpften einen hundertprozentigen Schutz erzielt. Dieses Argument ist der eigentliche Grund für den Impfkalender mit seinen verschiedenen Terminen zur Grundimmunisierung und den empfohlenen Auffrischimpfungen. Durch wiederholte Impfungen kann die Schutzwirkung sowohl für den Einzelenen erhöht werden, als auch die Anteil der geschützten Personen in der Bevölkerung.
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Impfungen, so wird kritisiert, enthalten giftige Zusatzstoffe, insbesondere Quecksilber und Aluminium. Tatsächlich enthalten manche, aber nicht alle Impfstoffe Spuren von Aluminiumverbindungen und quecksilberhaltige Substanzen. Dieses Kompendium enthält am Schluss des Abschnitts «Allgemeine Information» eine Tabelle, auf der alle Zusatzstoffe der einzelnen Impfungen aufgeführt sind. Die Impfstoff-Hersteller bemühen sich, den Anteil möglicherweise toxischer Substanzen zu verringern. Für die meisten Substanzen ist die Menge der enthaltenen Stoffe geringer als die, welche ein Kind im Laufe eines Jahres auf natürliche Weise zu sich nimmt.
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Zuweilen wird behauptet, Kinderkrankheiten könnten homöopathisch behandelt und geimpft werden. Gewiss kann die Homöopathie bei manchen Krankheiten als unterstützende Massnahme eingesetzt werden. Das ist insbesondere dort sinnvoll, wo auch die Schulmedizin keine ursächliche, erfolgreiche oder vorteilhafte Behandlung anbieten kann, etwa bei durch Viren verursachten Erkältungen und Mittelohrentzündungen. Falsch und ebenso unsinnig, wie Viruserkrankungen mit Antibiotika zu behandeln, ist indes die Behauptung man könne auch «homöopathisch impfen». Bis heute fehlt jeder Beweis, dass eine homöopathische Behandlung eine ebenso starke Reaktion des Immunsystems, wie eine Impfung erzielen kann. Homöopathie mag die individuelle Disposition verändern, an einer Kinderkrankheit zu erkranken. Homöopathie bietet indes keinen zuverlässigen Schutz vor schweren Komplikationen. Eine vorsichtigere Fahrweise im Strassenverkehr kann auch nicht den Schutz durch einen geeigneten Maxi-Cosi oder Kindersitz ersetzen.
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Immer wieder berichten Impfkritiker von besonderen Entwicklungsschüben nach einer Kindererkrankung, dem Einfluss einer intensiv durchgemachten Erkrankungsperiode für die Mutter-Kind-Beziehung. Manche führen an, auch eine Kinderkrankheit gehöre zu dem Schicksal im Lebenslauf, das positiv zu akzeptieren sei. Im Normalfall entwickelt sich ein Kind psychisch und motorisch entlang einer vom Kind bestimmten Gesetzmässigkeit. Jedes gesunde Kind wird irgendwann seinen ersten Schritt machen und danach laufen. Bei manchen Kindern mag dieser erste Schritt oder das erste Drei-Wort-Satz nach einer Erkrankung zu beobachten sein. Sicher wäre aber der erste Drei-Wort-Satz auch ohne etwa die Masern irgendwann gesprochen worden.
Standpunkt der Kinderärzte
Die Kinderärzte, die diese Informationen als Hilfe für die Impfberatung zusammengestellt haben, sind sich über folgendes bewusst:
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Eltern stecken in einem Dilemma: Keine Mutter und kein Vater wünschen ihrem Kind eine der Komplikationen der impfbaren Erkrankungen. Allerdings würden viele am liebsten Ihr Kind geschützt sehen, ohne das Kind impfen zu müssen. Das ist in der realen Welt nicht möglich und diesen Konflikt kann auch der Kinderarzt nicht lösen.
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Kinderärzte können die Eltern allerdings darin unterstützen, einen Entscheid ohne Zeitdruck zu fällen. Die leicht abweichenden Impfpläne der europäischen Länder und in Nordamerika zeigen, dass es zwar optimale Zeitfenster für eine jeweilige Impfung gibt, jedoch dieses nicht streng auf einen bestimmten Tag fixierbar ist.
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Eltern, die in der Impffrage unsicher sind, sollten dies mit ihrem Kinderarzt besprechen. Wenn sie ihr Kind nicht gegen alle empfohlenen Krankheiten impfen wollen, so können die Impfungen sehr wohl stufenweise durchgeführt werden. Impfstoffe gegen einzelne Krankheiten sind jedoch nicht immer auf dem Markt erhältlich. Eltern, die sich für eine stufenweises Impfen entscheiden, sollten auch bedenken: sie muten ihrem Kind bei diesem Vorgehen mehr Injektionen zu, als bei der Impfung nach dem empfohlenen Impfplan, der Kombinationsimpfstoffe vorsieht. Einzelimpfungen führen zu den gleichen Nebenwirkungen wie die kombinierten Impfungen.
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Kinderärzte sehen nicht nur die individuelle Position, sondern auch die Verantwortung gegenüber anderen. Keine Impfung zeigt dies deutlicher als die Impfung gegen Röteln. Röteln sind für Kinder eine vollkommen harmlose Erkrankung, es wäre daher für das einzelne Kind überhaupt nicht erforderlich gegen Röteln zu impfen. Anderseits ist eine Rötelninfektion einer Schwangeren eine Katastrophe für das Ungeborene. Die Impfempfehlung für Röteln ist daher auch ein Appell and die Verantwortlichkeit gegenüber anderen.
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Eltern wie Kinderärzte sind in ihrer Information bisher auf das angewiesen, was in den offiziellen Publikationen steht. Aus diesem Grund hat das Forum für Praxispädiatrie die vorliegenden Unterlagen zusammengestellt und bei der Ausarbeitung ausdrücklich auch impfskeptische Kinderärzte hinzugezogen. Eltern wie Kinderärzte sind den oft widersprüchlichen Informationen von Impfbefürwortern und Impfkritikern ausgesetzt. Sie müssen sich selbst ein Bild machen und entscheiden, welche Quelle vertrauenswürdiger ist. Dabei sollte man immer berücksichtigen: gerade die besonders lauten Impfkritiker machen aus ihrer Impfkritik ein einträgliches Geschäft.