Pneumokokken
Das Wichtigste in Kürze
- Pneumokokken sind Bakterien, welche mehrere Krankheitsbilder verursachen können: angefangen bei schmerzhaften, aber nicht lebensbedrohlichen Mittelohrentzündungen, den bereits gefährlicheren Lungenentzündungen bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Hirnhautentzündung und Blutvergiftung.
- In vielen Ländern wurden die Pneumokokken durch den unbedachten Einsatz von Antibiotika resistent und sind deshalb zunehmend schwieriger zu behandeln.
- Das Risiko dieser Erkrankungen ist im Kleinkindesalter deutlich erhöht.
- Seit 2001 gibt es einen Impfstoff für Säuglinge, seit anfangs 2006 ist die Pneumokokken-Impfung als ergänzende Impfung für alle Kinder in der Schweiz empfohlen. Seit August 2006 werden die Kosten dieser Impfung von der obligatorischen Krankenkasse übernommen.
- Das Risiko einer schweren Pneumokokken-Erkrankung lässt sich durch die Impfung wirksam reduzieren. Eine Ausrottung der Pneumokokken-Erkrankungen ist nicht möglich.
Krankheit und Behandlung
Pneumokokken sind bekapselte Bakterien, welche sich im Nasenrachenraum des Menschen aufhalten und von dort aus über Tröpfchen- und Schmierinfektionen auf andere Menschen übertragen werden können. Im Körper verursachen sie folgende Erkrankungen: Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen, Hirnhautentzündung, Lymphknotenabszesse, Knochenvereiterungen, Gelenksentzündungen und Blutvergiftung.In den ersten Lebensjahren ist Ihr Kind besonders durch die schwerwiegenden, so genannt invasiven Pneumokokken-Erkrankungen (Hirnhautentzündung, Blutvergiftung) bedroht. Das Risiko beginnt bereits einige Wochen nach der Geburt, da die Abwehrstoffe, die vor der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen wurden, rasch abgebaut werden, auch wenn das Kind gestillt wird. Pneumokokken-Erkrankungen können unter Umständen im Spital noch behandelt werden. Oft kommt aber jede Hilfe zu spät oder bleibende Schäden infolge der Erkrankung behindern Kinder lebenslänglich.
Nachdem mit der Hib-Impfung (Impfung gegen Haemophilus influenzae) die bislang schlimmste Gefahr einer Erkrankung an Hirnhautentzündungen gebannt werden konnte, stehen nun die schweren Pneumokokken-Erkrankungen an erster Stelle. Man schätzt, dass in der Schweiz jährlich 100 schwere Erkrankungen (Hirnhautentzündungen, Blutvergiftungen), 2000 Lungenentzündungen und 30'000 Mittelohrentzündungen sowie 3-5 Todesfälle bei Kindern unter 5 Jahren durch Pneumokokken verursacht werden. Der aktuell erhältliche 7-fach-konjugierte Impfstoff gegen Pneumokokken schützt zu 80% vor schweren Erkrankungen, zu 60% vor Lungenentzündungen und zu 30% vor Mittelohrentzündungen.
Impfung
Die Impfung sollte deshalb so früh als möglich begonnen werden. Drei Dosen des Impfstoffes sind notwendig, um das Kind anhaltend zu schützen. Sie können zeitgleich mit den Basisimpfungen anlässlich der üblichen Vorsorgeuntersuchungen verabreicht werden, das heisst, im Alter von 2, 4 und 12 Monaten. Es ist wichtig, den empfohlenen Zeitpunkt einzuhalten, um einen frühen Impfschutz zu erreichen. Für ehemals Frühgeborene Kleinkinder gelten etwas verschärftere Richtlinien, da diese Kinder nicht von einem „Nestschutz“ durch die Mutter profitieren können.Beim aktuell erhältlichen Impfstoff handelt es sich um einen sogenannten Tod-Impfstoff, das heisst, es werden keine lebensfähigen Bestandteile geimpft. Es sind lediglich Oberflächen-Bestandteile von Pneumokokken an ein kugeliges Eiweiss, das vom Diphtherie-Impfstoff her bekannt ist, gekoppelt. Dieser 7-fache konjugierte Impfstoff (Impfstoff gegen sieben wichtigste Typen von Pneumokokken) kann man bereits ab dem Alter von einem Monat verabreichen. Der Impfstoff wird durch Injektion in einen Oberschenkelmuskel verabreicht. Er enthält als Hilfsstoff Aluminiumphosphat, der die Immunantwort verstärkt. Er ist frei von Thiomersal, Antibiotika und anderen Lösungsmittel.
Reaktionen und Nebenwirkungen
Der Konjugat-Impfstoff wurde speziell für Säuglinge entwickelt. Er ist generell gut verträglich. Die Injektion in den Oberschenkelmuskel brennt für ca. 20-30 Sekunden etwas. Als Nebenwirkungen der Impfung werden Fieber (1–2 Kinder von 10) als auch örtliche Reaktionen wie Schwellung, Schmerzen und Rötung (1 von 10) beschrieben. Fieber über 39°C beobachtet man bei 1–3 Kindern von 100. Ungefähr 6-8 Stunden nach der Impfung sollte man die Temperatur des Kindes kontrollieren. Eine erhöhte Temperatur bis 38.5°C kann gut toleriert werden; darüber hinweg sollten fiebersenkende Massnahmen erfolgen. Diese unangenehmen, aber ungefährlichen Nebenwirkungen stehen jedoch in keinem Verhältnis zum grossen Nutzen der Pneumokokken-Impfung. Schwere Nebenwirkungen nach der Pneumokokken-Impfung sind ausserordentlich selten (1 von 100'000 oder 1 von 1'000'000). Entsprechend ist es schwierig zu sagen, ob die Impfung die Ursache ist oder nicht. Wichtig ist hervorzuheben, dass die Impfstoffe für Säuglinge deren Immunsystem nicht schwächen und sie kein erhöhtes Risiko für Allergien oder andere Krankheiten im späteren Leben haben. Im Gegenteil: Impfungen, speziell konjugierte Polysaccharid-Impfstoffe (Hib, Pneumokokken, Meningokokken) stärken das Immunsystem und es gibt Hinweise, wonach vollständig geimpfte Personen ein geringeres Allergierisiko haben, als Ungeimpfte!Pro und Contra Impfung
Wie bei allen Impfentscheidungen steht das Abwägen von Vorteilen und Nachteilen an erster Stelle. Weil die Pneumokokken-Impfung neu ist, müssen alle Ärzte die Eltern genau über die Krankheiten und die Impfungen informieren. Mit dem Pneumokokken-Impfstoff steht uns ein gut verträglicher und risikoarmer Impfstoff zur Verfügung gegen eine risikoreiche und im Kindesalter häufige Erkrankung (Mittelohren, Lungen, Lymphknoten). Da die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten dieser Erkrankung im Vergleich zu anderen Krankheiten (Keuchhusten, Masern) nicht so hoch ist, die Erkrankung dann aber mit hohem Risiko verbunden wäre, wurde erstmalig in der Geschichte des offiziellen Schweizer Impfplanes eine Impfempfehlung als ergänzende Impfung für alle Kinder abgegeben (Impfempfehlungskategorie 2). Die Kategorie 1 beinhaltet die Basisimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib, Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis B.Philipp Trefny, Luzern; Stand Juli 2009
