Masern
Das Wichtigste in Kürze
- Masern sind eine sehr ansteckende Virus-Infektion.
- In seltenen Fällen verlaufen die Masern schwer, mit Lungen- oder Gehirnentzündung.
- Eine ursächliche Behandlung der Masern gibt es nicht.
- Die Masernimpfung bietet einen sicheren Schutz.
- Kinder sollten mit 12 Monaten das erste Mal gegen Masern geimpft werden und mit 15–24 Monaten die zweite Dosis erhalten.
Krankheit und Behandlung
Die Masern waren lange Zeit eine sehr verbreitete Infektionskrankheit bei Kleinkindern. Das Masern-Virus ist sehr ansteckend. Über 90% der nicht-immunen Personen erkranken bei Masernkontakt. Das Masernvirus wird von Mensch zu Mensch in winzigen Tröpfchen übertragen.Die ersten Krankheitszeichen treten 9–12 Tage nach der Ansteckung auf. Von diesem Zeitpunkt an bis etwa 2 Tage nach Ausbruch des typischen Masernausschlags ist der Patient ansteckend. Die ersten Krankheitszeichen ähneln denen einer Erkältung, mit Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung. Auf der Mundschleimhaut erscheinen die für Masern typischen kleinen weissen Koplick-Flecken. Nach kurzer Erholung steigt das Fieber rasch auf sehr hohe Werte, zugleich breitet sich ein grossfleckiger Auschlag über den Körper aus. Bei der Mehrzahl der Erkrankten klingt die Symptomatik danach rasch ab. Komplikationen sind Entzündungen der Ohren, der Bronchien, der Lunge und des Nervensystems. Es gibt keine ursächliche Behandlung. Masern hinterlassen eine lebenslängliche Immunität.
In Ländern der Dritten Welt ist die Lungenentzündung die häufigste Todesursache bei Masern. In den Industrienationen muss die Lungenentzündung bei Masern oft im Krankenhaus behandelt werden, zuweilen sogar auf der Intensivstation. Einer von 1000–2000 Masernpatienten erkrankt an einer schweren Gehirnentzündung, die bei der Hälfte der Betroffenen zum Tod oder zu bleibenden Schäden führt. Bei erwachsenen Masernpatienten ist die Gehirnentzündung häufiger als bei Kindern. In einer Beobachtungsstudie anthroposophischer Ärzte über 1000 Masernerkrankungen betrug die Komplikationsrate 15%. Ein Kind starb.
Bei der Masernepidemie in Mittel- und Süditalien erkrankten innerhalb weniger Monate im Jahr 2002 mehr als 20'000 Kinder. 3 Kinder starben und 13 erlitten eine schwere Gehirnentzündung. 2003 und 2004 brachen in der Schweiz zwei Masernepidemien aus, mit 696 behördlich gemeldeten Fällen. Ein Drittel der Fälle betraf Kinder im Alter von 5–9 Jahren. Mindestens 20 Patienten mussten mit Komplikationen hospitalisiert werden.
Je weniger Kinder und Erwachsene geimpft sind, desto leichter kann sich eine neue Epidemie ausbreiten.
Impfung
Der Masernimpfstoff enthält abgeschwächte, aber lebende und vermehrungsfähige Viren. Kinder sollten mit 12 Monaten und zwischen 15–24 Monaten geimpft werden. In speziellen Fällen kann die Impfung schon früher durchgeführt werden.Vorher kann das Virus durch mütterliche Antikörper inaktiviert werden, die das Ungeborene während des letzten Drittels der Schwangerschaft erwarb. Bei 95–98% aller Kinder erzielt bereits die erste Impfung einen vollständigen Schutz. Nach der Auffrischimpfung mit 15–24 Monaten sind über 99% aller Geimpften geschützt.
Reaktionen und Nebenwirkungen
Die meisten Kinder vertragen die Masern-Impfung gut. Einige Kinder zeigen eine leichte Reaktion, schwere Nebenwirkungen sind extrem selten. Systematisch erhobene Daten zu den Nebenwirkungen der Impfung gibt es aus den USA. Die Auswertung der Berichte über Nebenwirkungen bei 240 Millionen Impfungen zeigt: Zwischen 5 und 15 von hundert geimpften Kindern bekommen am 5.–12. Tag nach der Impfung Fieber mit Ausschlag. Diese Krankheitszeichen klingen nach 2–3 Tagen wieder ab. Etwa 1 Kind auf 1 Million Impfungen entwickelt eine Gehirnentzündung mit bleibenden Schäden. Auf die Schweiz übertragen bedeutet das: würden alle Kinder in der Schweiz geimpft, so käme es landesweit etwa alle fünf Jahre zu einer impfbedingten Gehirnentzündung. Bei einer auf 6 Millionen Impfungen erlitte die geimpfte Person eine lebensbedrohliche allergische Reaktion – in der Schweiz wäre das etwa alle 30 Jahre ein Fall.Pro und Contra Impfung
Masern-Impfung und Allergie: Impfskeptiker führen eine schwedische Untersuchung an, nach der nicht-geimpfte Kinder aus Familien mit anthroposophischem Lebensstil seltener an Asthma und Allergie litten. Allerdings ist die niedrige Masern-Impfrate nur eines von vielen Merkmalen eines anthroposophischen Lebensstils. Zweifellos haben die Masern-Impfung wie auch eine durchgemachte Masern-Infektion einen nachhaltigen Effekt auf die Immunität. Für die niedrige Allergierate gibt es indes andere, wissenschaftlich belegtere Gründe wie etwa frühen Allergenkontakt.In den USA wurden nach Impfungen im 4.–6. Lebensmonat mit einem anderen Impfstoff mit höherem Titer gehäuft Infektionskrankheiten mit schweren Verläufen beobachtet. Diese frühe Impfung ist jedoch in der Schweiz nicht empfohlen, bei der Impfung zum Ende des ersten Lebensjahrs werden niedrigere Impfdosen eingesetzt.
Autismus und Masern-Impfung: Eine umstrittene Untersuchung fand einen möglichen Zusammmenhang zwischen dieser schweren Verhaltensstörung und der Masern-Impfung. Neuere Nachuntersuchungen landesweiter Gesundheitsregister in Grossbritannien entkräften diesen Verdacht.
Abnehmende Masern-Häufigkeit: Da immer weniger Menschen an Masern erkranken, kommen immer weniger Geimpfte regelmässig in Kontakt mit dem Wildvirus. Dadurch entfällt die natürliche «Auffrisch-Impfung» durch Maserninfektionen in der Umgebung. Damit wird der Impfschutz möglicherweise unvollständig und Jugendliche oder Erwachsene haben ein höheres Risiko, an Masern zu erkranken. Diese Argumentation der Impfskeptiker entspricht nicht den Beobachtungen aus Ländern mit hoher Impfrate, wie etwa den USA oder Finnland. Dort kam es in den vergangenen Jahren zu keinen grossen Epidemien, wie etwa in Süditalien im Jahr 2002, sondern allenfalls zu lokal begrenzten kleinen Ausbrüchen. Daher senkt eine hohe Impfrate im Kindesalter das Risiko einer Epidemie.
