Keuchhusten (Pertussis)

Das Wichtigste in Kürze

  • Keuchhusten wird durch Tröpfcheninfektion übertragen.
  • Das Bakterium bildet ein Gift, das die eigentlichen Krankheitssymptome auslöst.
  • Die Keuchhustenerkrankung beginnt zunächst mit unspezifischen Zeichen.
  • Nach etwas zwei Wochen beginnt das Stadium convulsivum mit Keuchhustenattacken.
  • Keuchhusten ist vor allem bei Säuglingen gefährlich, dort kann es (auch ohne Husten) zu Atemstillständen kommen.
  • Keuchhusten erzeugt eine lange anhaltende, jedoch nicht lebenslange Immunität.
  • Der sogenannte azelluläre Impfstoff enthält nicht die vollständigen, Erreger, sondern nur einzelne Bestandteile.

Krankheit und Behandlung

Ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung beginnt die Erkrankung mit einem uncharakteristischen Husten. Zu diesem Zeitpunkt ist die Erkrankung nicht von einer anderen einfachen Erkältung zu unterscheiden. Wird die Erkrankung sehr frühzeitig als Keuchhusten erkannt (z. B. Keuchhusten in der Umgebung), so kann eine Antibiotikabehandlung in diesem Stadium den Krankheitsverlauf mildern oder abkürzen. Zu einem späteren Zeitpunkt ändert die Antibiotikagabe nichts am Verlauf, beendet aber das Risiko, andere nicht geimpfte Kinder anzustecken. Nach etwa 2 Wochen geht die Erkrankung in das Stadium convulsivum über, mit typischen stakkato-artigen Hustenanfällen und Erbrechen. Bis in dieses Stadium kann ein an Keuchhusten erkranktes Kind andere anstecken. Die Keuchhustenattacken klingen nach mehrere Wochen allmählich ab.

Bedrohlich ist der Keuchhusten für Säuglinge. Bei Kindern unter 1 Jahr Alter verläuft der Keuchhusten oft atypisch. Häufig kommt es zu lebensbedrohlichen Atemstillständen, die meisten Säuglinge mit Keuchhusten müssen im Krankenhaus behandelt werden. Komplikationen treten bei etwa 10% aller Erkrankten auf. Diese sind Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen und Krampfanfälle.

Impfung

Der frühere Impfstoff enthielt abgeschwächte Erreger (Ganz-Keim-Impfstoff), heute sind in der Schweiz nur noch die neuen, sogenannten azellulären Impfstoffe im Handel. Azelluläre Impfstoffe enthalten nur noch einzelne Bestandteile des Erregers, jedoch keine vermehrungsfähigen Keime. Die neuen azellulären Impfstoffe haben deutlich weniger Nebenwirkungen. Da es ein Totimpfstoff ist, brauchen die Mehrzahl der Geimpften für den Aufbau eines ausreichenden Impfschutzes drei Impfungen. Der Impfschutz hält etwa 10 Jahre an. Empfohlen ist die Impfung bereits im Säuglingsalter zusammen mit den anderen Grundimpfungen. Dies schützt nicht nur das geimpfte Kind, sondern verhindert auch, dass ein Keuchhustenkind andere Säuglinge oder ältere Menschen ohne ausreichenden Impfschutz ansteckt.

Reaktionen und Nebenwirkungen

Mit dem alten, heute nicht mehr verwendeten «Ganzkeim»-Impfstoff waren Nebenwirkungen häufig, sie umfassten Fieber, Lokalreaktionen, vermehrtes Schreien, Irritabilität und Schläfrigkeit. Mit einer Häufigkeit von etwa 1 auf 2000 Geimpfte kam es zu schwereren neurologischen Reaktionen wie Zustände mit Blässe, Blauwerden und fehlender Reaktion auf Reize. Von diesen sogenannten «Hypoton-Hyporesponsiven Episoden» erholten sich die Kinder rasch. Auf 1:4000 bis 1:16000 Kinder kam es zu Krampfanfällen nach der Impfung. Weitere Nebenwirkungen, die der Keuchhusten-Impfung mit dem Ganzkeim-Impfstoff zugeschrieben wurden, sind erhöhtes Risiko von Allergie und neurologischen Funktionsstörungen.

Die heute üblichen azellulären Impfstoffe zeichnen sich durch ein stark verbessertes Nebenwirkungsprofil aus. Die Rate der milden unerwünschten Wirkungen ist auf etwa ein Viertel gesunken, die Häufigkeit der seltenen schweren Nebenwirkungen auf etwa die Hälfte.

Pro und Contra Impfung

Die alte Keuchhustenimpfung war diejenige Impfung mit den möglicherweise schwerwiegendsten Nebenwirkungen. Die Einführung des azellulären Pertussis-Impfstoffs hat diese Situation wesentlich verbessert. Eltern, welche sich für oder gegen eine Keuchhusten-Impfung entscheiden, müssen Folgendes bedenken: Die Keuchhustenerkrankung bedeutet für das Kind und auch die betreuenden Personen eine sehr belastende Zeit über mehrere Wochen. Dies ist mit Berufstätigkeit beider Eltern nur schwer vereinbar. Ein Keuchhusten-Kind in der Inkubationszeit kann weitere Säuglinge, bei denen noch kein vollständiger Impfschutz besteht, anstecken. Das bedeutet für die angesteckten Kinder eine lebensgefährliche Erkrankung. Beide Risiken werden durch die Impfung eliminiert. Indes ist die Keuchhusten-Impfung nicht ohne Risiko von Nebenwirkungen. Die milden Nebenwirkungen klingen nach wenigen Tagen folgenlos ab. Die schweren Nebenwirkungen sind sehr viel seltener als bei der tatsächlichen Keuchhustenerkrankung. Damit das absolute Risiko durch eine Keuchhusteninfektion kleiner ist als das absolute Risiko, eine schwere Impfreaktion zu erleiden, müsste der Keuchhusten (etwa aufgrund eines konsequenten Impfprogramms) in der Bevölkerung sehr viel seltener vorkommen als heute.