Gebärmutterhalskrebs verursacht durch das humane Papillomavirus (HPV)

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen sind mit nahezu 100% durch das Papilloma-Virus verursacht.
  • Die Papilloma-Viren verursachen Haut- und Schleimhautwarzen.
  • Gebärmutterhalskrebs wird damit durch eine Infektionskrankheit ausgelöst und nicht vererbt. Junge Frauen können sich mit dem Virus anstecken und über die nächsten 10-20 Jahre an einem Gebärmutterhalskrebs erkranken.
  • Schutz vor Ansteckung bietet nur die Impfung. Junge Frauen sollten vor Aufnahme sexueller Aktivitäten geimpft werden, weil auch Kondome und andere Hygiene-Massnahmen beim Papilloma-Virus versagen. Mit zunehmendem Alter und häufigem Partnerwechsel steigt das Risiko für eine Ansteckung mit HPV rasch an.

Krankheit und Behandlung

Der Gebärmutterhalskrebs ist eine häufige Erkrankung bei Frauen ab dem Alter von 30 Jahren; in Entwicklungs- und Schwellenländern ist es sogar die häufigste Krebsart. Eine von 600 Frauen entwickelt über Vorstadien eine Krebserkrankung. In Europa stirbt alle 18 Minuten eine Frau am Gebärmutterhalskrebs (ca. 15'000 Todesfälle pro Jahr; in der Schweiz sind es ca. 100 Todesfälle bei 300 Neudiagnosen pro Jahr).
Die Krankheitsbilder dieser HPV-Erkrankungen sind vielfältig: Gutartige HPV-Typen verursachen oberflächliche Warzen der genitalen Region. Diese werden Kondylome genannt und können zum Teil groteske Formen und Grössen annehmen. Wie alle Warzen, sind auch diese sehr schwierig zu behandeln und führen zu grossen Unannehmlichkeiten.
Bösartige HPV-Typen verursachen über Vorstufen Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses, der Scheide, des After und beim Mann des Penis. Deshalb wird anlässlich der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen festgestellt, ob und in welchem Ausmass eine Vorstufe zum Krebs besteht. Bei Nachweis einer Entartung von Schleimhautzellen müssen weitere belastende und teure Untersuchungen gemacht werden. Allzu häufig ist der Tumor schon zu weit fortgeschritten, was letztlich den Tod bedeutet. Trotz gross angelegter Präventionskampagnen ist es vor allem bei den Frauen zwischen 30-45 Jahren zu keiner nennenswerten Abnahme der Erkrankungs-Häufigkeit gekommen.

Impfstoffe

Ein Impfstoff schützt gegen die zwei häufigsten bösartigen HPV-Typen und gegen zwei gutartige Typen. Er ist frei von Konservierungsmitteln und Thiomersal. Nach einer Beobachtungszeit von inzwischen sechs Jahren konnte ein praktisch vollständiger Schutz vor Infektion mit diesen vier HPV-Typen nachgewiesen werden. Es traten keine Krebsvorstufen auf. Es kann mit hoher Sicherheit angenommen werden, dass der Schutz noch weitere Jahre anhalten wird.
Die Impfung ist gedacht für junge Frauen (11 - 14 Jahre). Einmal mit einem Papilloma-Virus angesteckt, nützt die Impfung gegen diesen Typ nicht mehr, wohl aber noch gegen die anderen in der Impfung enthaltenen Viren-Typen. Junge Frauen können auch nach Aufnahme sexueller Aktivitäten von der Impfung profitieren. Empfehlungen für die Impfung älterer Frauen gibt es zur Zeit nicht.

Impfschema

Drei Injektionen in den Muskel des Oberarms zum Zeitpunkt 0, 2 Monate und 6 Monate.
Auffrischimpfungen: in den laufenden Studien ist die Schutzrate nach 6 Jahren stabil bei nahezu 100%, weshalb derzeit noch keine Empfehlung für eine Booster/Rappel-Impfung gemacht werden kann oder muss.

Nebenwirkungen

In gross angelegten Studien (über 70'000 Frauen) treten lediglich übliche, geringere Nebenwirkungen auf: Schmerzen, Rötung, Schwellung und Fieber 24-72h nach der Injektion. Schwere Nebenwirkungen sind bisher keine aufgetreten.
Kontraindikationen sind keine bekannt.

Offene Fragen

Wir können den hohen Impfstoffpreis, welcher von der bisher einzigen Impfstoffherstellerfirma verlangt wird, nicht nachvollziehen. Wegen des hohen Preises fehlt bislang die Kostenübernahme in der Grundversicherung. Dies führt zu grosser Verunsicherung hinsichtlich der generellen Impfempfehlung für die Zielgruppen und ermöglicht die Krebsvorsorge durch Impfung nur für reichere Familien oder solche mit Zusatzversicherungen.
Der Nutzen einer Impfung junger Männer ist noch offen. Entsprechende wichtige Untersuchungen laufen.
Es gibt bislang keine Empfehlung für die Anwendung der Impfung bei älteren Frauen.
In der bisherigen Beobachtungszeit von sechs Jahren in den grossen Studien bei jungen Frauen sind das Sicherheitsprofil und die Schutzrate ausserordentlich gut, jedoch fehlen noch Angaben über diese Fragen im Langzeitverlauf (20-30 Jahre).
Die Auswirkungen der Impfung müssen beobachtet werden. Hierzu ist die Weiterführung des bisherigen Vorsorgeprogramms mit regelmässigen gynäkologischen Untersuchungen aller Frauen unabdingbar.

(9.2007)