Impfzeitpunkt
Können Muttermilchantikörper die Wirkung einer Impfung zerstören?
Die Antikörpermengen in der Muttermilch reichen nicht aus, um die Wirkung einer Impfung zu verhindern. Oft vertragen gestillte Kinder Impfungen sogar besser als ungestillte. In den ersten drei Lebensmonaten besteht indes noch eine Leihimmunität gegen bestimmte Kinderkrankheiten. Das gilt auch für bestimmte Krankheiten, gegen welche die Mutter geimpft wurde. Diese Leihimmunität beruht auf Antikörpern, welche das Ungeborene über die Nabelschnur im letzten Schwangerschaftsdrittel von der Mutter erhalten hat. Diese mütterlichen Antikörper werden jedoch innerhalb der ersten Lebenswochen rasch abgebaut. Bei extrem unreifen Frühgeborenen besteht nur eine abgeschwächte Leihimmunität.Warum werden Masern, Mumps oder Röteln nicht erst in der Pubertät geimpft?
Im Prinzip sollten Kinder so früh wie möglich vor diesen Infektionskrankheiten geschützt werden. Die Komplikationsrate von Masern, Mumps oder Röteln steigt mit zunehmendem Alter. Darum empfehlen Kinderärzte, Masern, Mumps und Röteln gleichzeitig zu impfen. Von allen drei Erkrankungen sind die Masern die gefährlichste. Eltern, die sich aus grundsätzlichen Bedenken nicht für die Dreifachimpfung entscheiden können, sollten zumindest die Masernimpfung im zweiten Lebensjahr vornehmen lassen.Mein Homöopath akzeptiert zwar gewisse Impfungen, rät jedoch, erst im Kleinkindalter zu impfen.
Das Abwehrsystem eines Menschen funktioniert schon vor der Geburt und reift im erst Verlauf der Kindheit aus. Schon vor der Geburt kann ein Kind spezifische Abwehrstoffe bilden, sofern es eine Infektion im Mutterleib erleidet. Im Kleinkindalter ist das Immunsystem tatsächlich schon «reifer», ein vollständiger Impfschutz kann unter Umständen mit einer geringeren Anzahl an Wiederholungsimpfungen erreicht werden.Zwar steigen bei Säuglingen die Antikörperspiegel im Blut nach einer Impfung weniger stark an als bei älteren Kindern. Das darf jedoch nicht als Unreife des Schutzes missverstanden werden, denn die Schutzwirkung hängt nicht allein vom Antikörperspiegel ab. Ausnahmen von der Empfehlung, im Säuglingsalter mit der Impfung zu beginnen, sind bestimmte Impfungen mit abgeschwächtem lebendem Virus, z. B. die Masernimpfungen. Gegen Masern besitzen Säuglinge im ersten Lebensjahr noch von der Mutter übertragene, spezifische Abwehrstoffe. Diese können das Impfvirus neutralisieren und so einen Impfschutz vereiteln. Deshalb empfehlen Kinderärzte die Masernimpfung erst im zweiten Lebensjahr.
Gegen Impfungen erst im Kleinkindalter sprechen folgende Gründe:
- Bis zur Impfung hat das Kind keinen Schutz. Da Kinder nicht isoliert von anderen Kindern aufwachsen, und im zweiten Lebensjahr auch die Verletzungsgefahr im Freien steigt, wäre das Kind unnötigen Risiken ausgesetzt. Niemand würde sein Kind erst ab dem Kleinkindalter in einem speziellen Kindersitz im Auto mitnehmen.
- In den ersten Monaten nach Geburt sind Säuglinge für viele Infektionserkrankungen durch Antikörper von der Mutter geschützt. Diese Antikörper erwirbt das Kind über die Nabelschnur im letzten Drittel der Schwangerschaft. Dadurch besteht in den ersten Lebensmonaten des Säuglings eine geliehene, zeitlich jedoch begrenzte Hilfe bei der Abwehr (Leihimmunität). Impfungen sollen einen Schutz aufbauen, sobald die Leihimmunität nicht mehr gewährleistet ist. Dies erreicht man durch Beginn der Impfung im ersten halben Jahr.
- Ohne jeden Zweifel ist Muttermilch die beste Ernährung für den Säugling. Jedoch schützt die Muttermilch nicht vor den Infektionskrankheiten, gegen die Impfungen empfohlen sind.
- Leider gibt es für gewisse Erkrankungen keinen mütterlichen Schutz. Das gilt beispielsweise für den Keuchhusten, welcher besonders bei Säuglingen zu lebensbedrohlichen Atemstillständen und bleibenden, durch Sauerstoffmangel bedingte Hirnschäden führen kann. Säuglinge mit Keuchhusten müssen wegen der Gefahr von Atemstillständen hospitalisiert werden.
- Obwohl die Verträglichkeit der neuen Impfstoffe sehr gut ist, beobachtet man im Säuglingsalter am wenigsten Nebenwirkungen.
- Die Angst vor dem Stich einer Impfung nimmt mit dem Alter zu. Sind die Impfungen mit 18 Monaten abgeschlossen, erspart man dem Kind einige angstvolle Momente. Die Angst vor der Spritze ist im Alter von 3 – 7 Jahren sehr gross.
- Gewisse Erkrankungen sind vor allem für Säuglinge gefährlich und heimtückisch. Dies gilt besonders für die Hirnhautentzündung (HIB). Sie ist im Säuglingsalter sehr schwer zu erkennen, und wird zuweilen zu spät diagnostiziert. Seit der Einführung der HIB-Impfung haben die Hospitalisationen auf Intensivstationen wegen Infektionen mit diesem Erreger stark abgenommen.
- Der Impfschutz beginnt nicht sofort, sondern ist erst nach der zweiten Injektion in einem sicheren Bereich, braucht also zum Aufbau mindestens etwa 21/2 Monate bis nach der ersten Injektion.
